Exkursion zur Schachtanlage Asse II – Einblicke in eine der größten Herausforderungen der Atommüllentsorgung
Im Rahmen des Unterrichts im Fach Werte und Normen (WuN) unternahm ein WuN-Kurs des 11. Jahrgangs des THG eine Exkursion zum Info-Center der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) an der Schachtanlage Asse II. Ziel des Besuchs war es, sich vor Ort mit der Problematik der Atommülllagerung und insbesondere der geplanten Rückholung radioaktiver Abfälle auseinanderzusetzen.
Empfangen wurde die Gruppe von Timo Detje aus der Unternehmenskommunikation, der anschaulich die Aufgaben und Verantwortlichkeiten der BGE erläuterte. Die BGE ist eine bundeseigene Gesellschaft und arbeitet im Auftrag des Bundes unter der fachlichen Aufsicht des Bundesumweltministeriums. Sie ist unter anderem für die sichere Rückholung des in der Asse eingelagerten Atommülls zuständig. Dabei wurde deutlich, wie komplex und gleichzeitig gesellschaftlich bedeutsam diese Aufgabe ist.
Ein besonderer Bezug zum Unterricht ergab sich daraus, dass sich die Schülerinnen und Schüler derzeit mit dem Thema Zukunftsethik beschäftigen. Dabei geht es um die Frage, inwiefern heutige Entscheidungen auch die Interessen zukünftiger Generationen berücksichtigen müssen. Gerade in unmittelbarer Nachbarschaft zur Schachtanlage Asse II drängt sich dieser Bezug besonders auf: Die Problematik der Atommülllagerung zeigt eindrücklich, welche langfristigen Folgen technisches Handeln haben kann – und welche Verantwortung daraus für kommende Generationen erwächst.
Historischer Hintergrund der Schachtanlage Asse II
Die Schachtanlage Asse II ist ein ehemaliges Salzbergwerk, das ursprünglich zur Förderung von Kali- und Steinsalz genutzt wurde. Zwischen 1967 und 1978 wurde es als Forschungsbergwerk zur Einlagerung schwach- und mittelradioaktiver Abfälle verwendet. Insgesamt wurden rund 126.000 Fässer mit Atommüll eingelagert. Erst später stellte sich heraus, dass das Bergwerk nicht dauerhaft stabil ist und Wasser eindringt – ein Umstand, der die heutige Rückholung notwendig macht.
Über VR-Brillen konnte man sich spannende Einblicke in das Bergwerk verschaffen
Herausforderung Rückholung des Atommülls
Ein zentraler Bestandteil des Besuchs war die Auseinandersetzung mit den Schwierigkeiten der Bergung. Die Rückholung gilt als technisch äußerst anspruchsvoll und mit erheblichen Risiken verbunden – nicht zuletzt, weil weltweit bislang noch nie atomarer Müll aus einem ehemaligen Salzbergwerk zurückgeholt worden ist. Die Arbeiten bewegen sich somit in einem bislang einzigartigen, kaum erprobten Bereich.
Hinzu kommt, dass das Bergwerk geologisch aktiv und damit instabil ist. Die Stabilität ist gefährdet, eindringendes Salzwasser kann die Fässer beschädigen und radioaktive Stoffe freisetzen. Zudem ist unklar, in welchem Zustand sich die eingelagerten Abfälle befinden.
Auch die aktuelle politische Situation zeigt, wie schwierig das Projekt ist:
Ursprünglich war vorgesehen, mit der Rückholung der Abfälle im Jahr 2033 zu beginnen. Dieser Zeitplan gilt inzwischen jedoch als überholt. Nach aktuellen Planungen der BGE (April 2026) kann dieser Termin nicht mehr eingehalten werden; ein konkreter neuer Starttermin ist derzeit noch nicht verbindlich festgelegt. Hintergrund ist vor allem der notwendige Bau des neuen Schachtes „Asse 5“, ohne den eine sichere Bergung technisch nicht möglich ist. Frühere Einschätzungen gehen davon aus, dass die Voraussetzungen dafür frühestens gegen Ende der 2030er Jahre geschaffen sein könnten.
Diese Verzögerung ist politisch hoch umstritten:
Das sogenannte Asse-Gesetz (2013) verpflichtet den Bund eigentlich zu einer „unverzüglichen Rückholung“ des Atommülls. Der niedersächsische Umweltminister kritisierte im April 2026 deutlich, dass die Verschiebung dieses gesetzlichen Auftrags widerspreche und forderte eine Beschleunigung der Maßnahmen.
Die Situation macht deutlich, dass es sich nicht nur um ein technisches, sondern auch um ein politisches und gesellschaftliches Großprojekt handelt, dessen Umsetzung weiterhin mit Unsicherheiten verbunden ist.
Virtuelle Einblicke und Berufsorientierung
Ein besonderes Highlight der Exkursion war der Einsatz von VR-Brillen, mit denen die Schülerinnen und Schüler einen virtuellen Einblick in das Bergwerk gewinnen konnten. Diese Erfahrung ermöglichte es, die Bedingungen unter Tage realitätsnah nachzuvollziehen.
Darüber hinaus stellte Katja Rothe, verantwortlich für den Bereich Ausbildung bei der BGE, verschiedene berufliche Perspektiven vor. Die BGE gehört zu den wichtigsten Arbeitgebern der Samtgemeinde Asse und bietet vielfältige Karrieremöglichkeiten in Technik, Verwaltung und Wissenschaft.
Katja Rothe informierte über Karrierechancen bei der BGE
Fazit
Die Exkursion bot den Schülerinnen und Schülern nicht nur fundierte Einblicke in ein hochaktuelles umweltpolitisches Thema, sondern auch in mögliche berufliche Wege. Die Verbindung von Theorie und Praxis machte deutlich, wie komplex die Verantwortung im Umgang mit Atommüll ist – und wie wichtig es ist, sich kritisch und informiert mit solchen Zukunftsfragen auseinanderzusetzen.